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Ein Obernarr gestaltet Integration

Foto: Barbara Schmitz

Über Integration, Teilhabe an der Gesellschaft und die Toleranz gegenüber fremdanmutenden Lebensweisen kann man viele gute Bücher, Essays und Kommentare lesen. Aber wo wird all das gelebt, wo findet das alles statt und vor allem wer sind ihre Akteure? Dafür gibt es am Niederrhein einen Namen, der all das miteinander verbindet und vorlebt, Ataman Yıldırım.

Ataman Yıldırım ist der Sohn eines türkischen Bergbauarbeiter, der als Sozialarbeiter immer wieder neue Ideen entwickelt, sie umsetzt und andere Leute mitreißt. Er ist mit seinem jüdischen Freund Amit Markus eines der Gesichter der Aktion #IchDuWirNRW, eine Art Boschafter der Toleranz und ein Vorbild gelungener Integration. Bundesweit einmalig ist die Gründung des Karnevalsvereins “Orient-Okzident Express” durch den Muslim Ataman, der für alle offen steht, unabhängig von Religion, Ethnie oder sexueller Orientierung. Ihm ist wichtig Integration aktiv mitzugestalten und kein bloßer Konsument von Integrationsprojekten zu sein. Der “Orient-Okzident Express” hat mittlerweile 19 Mitglieder, die nicht alle Muslime sind. Finanziell ist der Verein unabhängig und hat bisher keine Fördergelder beantragt. Lediglich der Toleranzwagen beim letzten Rosenmontagsumzug wurde von der jüdischen Gemeinde, der katholischen Kirche, der evangelischen Kirche und dem Integrationsrat der Stadt Düsseldorf finanziell unterstützt. Herr Yıldırım unterstreicht die finanzielle Unabhängigkeit des Vereins, frei nach Nasreddin Hodscha, der zugleich das Logo des Toleranzwagen ist, “wer das Geld gibt, nach dessen Pfeiffe wird getanzt”. Damit signalisieren drei Religionen in Zeiten der Spaltung, dass es keinen Platz für Antisemitismus, Extremismus und Diskriminierung in unserer Gesellschaft gibt. Es ist zugleich “ein Zeichen des Friedens, der Begegnung und des Dialogs”, so Ataman Yıldırım. Er berichtet, dass er sich sowohl muslimischen Kritikern erklären muss als auch Kritikern aus der christlichen Ecke, die im Karneval einen rein christliches Brauchtum sehen. Aber Ataman Yıldırım lässt sich nicht beirren, für ihn ist die fünfte Jahreszeit eine “richtige Willkommenskultur” und ein Integrationsfest. Als Obernarr möchte er der erste Karnevalssultan Deutschlands werden und wüsste nicht was dagegen spricht.

Der Neusser Karnevalist arbeitet beim Fachdienst Migration und Integration der Arbeiterwohlfahrt AWO in Düsseldorf und war der Initiator des Projekts “Väterarbeit”. Das Projekt ist ein Angebot für Väter aus Kriegs- und Krisengebieten. Geflüchteten Vätern soll geholfen werden Verunsicherungen abzubauen, damit sie die Herausforderungen in der neuen Heimat meistern können. Sie sollen ihre Rolle reflektieren lernen, damit sie aktiv an einer Wertevermittlung teilhaben, um Konflikte zu entschärfen und Gewalt zu verhindern. 2019 wurde Ataman Yıldırım vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier für sein besonderes Engagement und seine Verdienste um das Gemeinwohl geehrt.

Ataman Yıldırım ist ein Brückenbauer, ein Integrator und ein ideenreicher Initiator. Das obige Bild entstand im Zuge des wieder entflammten Nahost-Konflikts. Auch hier wurde er aktiv und setzte ein Zeichen gegen Antisemitismus, der sich bei vielen Protesten gegen Israel gezeigt hatte. Juden und Muslime stehen Seite an Seite gegen Antisemitismus und Hass. Es ist zu hoffen, dass Ataman Yıldırım Nachahmer und Mitstreiter findet, um unsere gemeinsame Heimat Deutschland friedlicher, sicherer und schöner zu machen.

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