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Hallerbos: Das blaue Naturschauspiel

Fotos © Ünal Bilir

An einem sonnigen Aprilwochenende hört man im Hallerbos mehr Gelächter und Kinderlärm als Vogelgesang. Denn der junge Wald mit seinen blauen Wild-Hyazinthen ist weltberühmt und ein absoluter Publikumsliebling.

Nicht nur die Naturliebhaber aus den flämischen und wallonischen Regionen Belgiens, sondern auch viele Touristen finden den Weg zu diesem seltenen Naturschauspiel. Die Begeisterung für die Blüte der Hyazinthen ist so enorm, dass sich die zuständige Behörde Agentschap Natuur en Bos im letzten Jahr, als man das Coronavirus noch nicht im Griff hatte, extra Mühe geben musste, um das Interesse des Publikums vom Hallerbos abzulenken. “Es wird gehofft, dass die Menschen den Frühling in ihrer eigenen Umgebung oder an den ruhigen Plätzen genießen und traditionell beliebte Orte, wie den Hallerbos, nicht aufsuchen” – so die belgische Forstbehörde im vergangenen Frühling.

Was macht diesen Wald so besonders?

Hallerbos ist eigentlich ein kleiner Teil des einstmals gigantisch großen Kohlenwalds. Dieser Wald fiel jedoch im Laufe der Zeit der menschlichen Gier zum Opfer. Vor allem wegen des massiven Ausbaues der Ackerfelder und der Abholzung blieben heute zwei Waldstücke davon übrig: Zoniënwald und Hallerbos.

Es ist kein Wunder, dass der Hallerbos im Laufe vieler wirtschaftlicher und strategischer Konflikte im Zentrum der Macht- und Besitzinteressen stand. Laut historischen Quellen vom Jahr 686 wird   St. Waltrudis als erster bekannter Besitzer des Hallerbos genannt. Nachdem der Wald lange als Teil der „Abtei von St. Waltrudis in Bergen“ blieb, gingen Halle und zwei Drittel vom Hallerbos 1652 an den Herzog von Arenberg über. Nach einer strittigen Verwaltungsperiode beenden die Eigentümer des Waldes 1779 endlich ihre Streitereien und teilen den Boden offiziell, indem Sie 24 Grenzsteine im Wald platzieren:  SW für St. Waltrudis und AR für die Familie Arenberg.

Weil nach der Invasion der französischen Truppen im Jahr 1794 alles Eigentum von der Kirche in Beschlag genommen wurde, wird auch der Hallerbos 1797 anteilmäßig Staatseigentum der Französischen Republik. Frankreich musste den Wald jedoch 1815 an das Königreich der Vereinigten Niederlande abtreten, da Napoleon Bonaparte die Schlacht bei Waterloo bekanntlich verlor.

Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) enteignete die belgische Regierung die Familie Arenberg und nahm den Hallerbos als Kriegsschaden in ihren Besitzt. Vor und während des Krieges fällten die deutschen Besatzer leider alle großen Bäume und verwüstetem den Hallerbos regelrecht. 

Der 542 Hektar große Hallerbos ist heute gänzlich das Eigentum des belgischen Staates. Während der große Teil des Waldes in Halle (Flämisch-Brabant) durch die flämische Gemeinschaft verwaltet wird, befindet sich ein kleines Stück des Hallerbos in Händen der wallonischen Gemeinschaft in Woutersbrakel.

Publikumsliebling und wichtiger Biotop Belgiens

Obwohl der Hallerbos mit seinen wilden Hyazinthen berühmt ist, gilt er auch als einer der wichtigsten Biotope Belgiens. Wegen ihres Biowertes wurden vier Gebiete innerhalb des Hallerbos, nämlich Kluisberg, Jansheideberg, Tal von Hallebeek und Vroenenwald als “Waldreservat” erklärt. In diesem ca.100 Hektar großen Naturschutzgebiet gedeihen viele seltsame Pflanzen wie Mandel-Wolfsmilch, Teufelskralle, Fuchs’ Knabenkraut, Bärlauch, Milzkräuter und Einbeere.  Auf dem sandig-trockenen Grund der höher gelegenen Gebiete des Waldes, wo auch drei Bäche (Kapittelbeek, Steenputbeek und Hallebeek) entspringen, wachsen außerdem typische Heidepflanzen. 

So wie die anderen Wälder Europas leidet auch der Hallerbos direkt oder indirekt unter dem Klimawandel. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt im Hallerbos und seine Wiederherstellung ist eine Herausforderung für die zuständige Behörde Agentschap Natuur en Bos. Welche Gefahren konkret von diesem Klimawandel ausgehen und welche speziellen Maßnahmen dagegen ergriffen werden, hat uns der Regioverwalter Patrick Huvenne im folgenden Video-Interview ausführlich erklärt. Obwohl das Gespräch vor einem Jahr stattfand, veröffentlichen wir das Interview wegen der bereits erwähnten Coronamaßnahmen –wie mit der Behörde abgesprochen- erst in diesem Jahr.

Quelle: Agentschap Natuur en Bos,  https://www.hallerbos.be

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