Ballonfahren im Zeichen des Friedens

September 6, 2021
ANZEIGE
Rheinisches Bildungsinstitut Düsseldorf
Rheinisches Bildungsinstitut Düsseldorf
Rheinisches Bildungsinstitut Düsseldorf
Rheinisches-Bildungsinstitut-1
Rheinisches-Bildungsinstitut-2
Rheinisches-Bildungsinstitut-3

Die bunten Heißluftballone am Himmel gehören vielerorts zu den touristischen Attraktionen. Dass sie aber als Sinnbild eines Friedensfestes gelten, ist nicht selbstverständlich. Ein Besuch beim Ballonfestival der belgischen Stadt Sint-Niklaas, wo die Ballone im Zeichen des Friedens in die Luft gehen.  

Nirgendwo auf der Welt sollen „so viele Ballonpiloten wohnen wie in der belgischen Region Waasland“. Und kein anderer Ort der Welt assoziiert sich so gern mit den Heißluftballonen wie die Stadt Sint-Niklaas in dieser Region. Der Grund dafür ist das Ballonfestival der Stadt, das jährlich in der ersten Septemberwoche im Rahmen der Friedensfeste stattfindet. 

Obwohl die berühmten „Vredefeesten“ der Stadt Sint-Niklaas mehr als ein Meeting der Ballonliebhaber sind, verleihen die zahlreichen Heißluftballone von unterschiedlichen Farben, Formen und Größen den Festlichkeiten jedoch ein unverwechselbares Markenzeichen. Vielleicht gerade deshalb zieht die Stadt mehr als 100 tausend Besucher während ihres Volksfestes an. Neben den Konzerten und Leckereien fast aus aller Welt bestaunen die Besucher die Ballone, die in vier Schichten am ruhigen Himmel schweben.

Dass die bunten Heißluftballone am Himmel vielerorts zu den touristischen Attraktionen gehören, ist eine Selbstverständlichkeit. Dass sie aber als Sinnbild eines Friedensfestes im Vordergrund stehen und tausende Menschen anziehen, ist eine erklärungsbedürftige Sache. Was haben die Heißluftballone eigentlich mit dem Frieden zu tun? Warum gerade in Sint-Niklaas werden sie mit dem Frieden in Verbindung gebracht?

Die Antwort liegt in der Geschichte dieser Festivitäten. Die heutigen Friedensfeste der „Stad Sint-Niklaas“ sind auf die patriotischen Feierlichkeiten der Stadt zurückzuführen. Die sogenannten „Bevrijdingsfeesten“ entstanden wiederum in 1948, als die Stadt ihre Befreiung vom Zweiten Weltkrieg würdevoll feiern und der Opfer der grausamen Kriegsjahre gedenken wollte. Als Symbolbild der Befreiung ließ man damals die zahlreichen Ballone in die Luft steigen. Ab 1973 durften die Heißluftballone, anlässlich dieser Zeremonien, in die Luft gehen, 1988 kamen die „Spezialformballone“ dazu.

Im Laufe der Jahre wurden nicht nur die Formen und Gasfüllungen der Ballone verändert, auch die Feierlichkeiten wurden einem Wandel unterzogen. Und zwar sowohl sinnbildlich als auch namentlich. Was als eine Befreiungszeremonie begonnen hatte, entwickelte sich zu einem geselligen Fest. So wurden aus den „Befreiungsfesten“ die „positiv klingenden Friedensfeste“. Schließlich haben die Festivitäten in 2005 die Form eines Volksfestes angenommen. Obwohl die Stad Sint-Niklaas am dritten Tag dieses Festes der Opfer des Zweiten Weltkrieges immer noch gedenkt, finden die Feierlichkeiten heutzutage jedoch im Zeichen des „Friedens, der Solidarität, Diversität und Nachhaltigkeit“ statt, wie Organisatoren in ihrer Pressemitteilung gerne zum Ausdruck bringen.

Die „Vredefeesten“ der Stadt Sint-Niklaas wurden im letzten Jahr, wie jede andere Großveranstaltung, ein Opfer der Corona-Maßnahmen. Dank der Impfungen durfte das über die Stadt hinaus beliebte Volksfest in diesem September 2021 wieder stattfinden. Wie immer sollte es unterhaltsam, aber wegen der Pandemie „anders“ sein. Zum Beispiel durften die Besucher das Ballonmeeting nicht mehr am bekannten Ort aus der Nähe beobachten. Denn die Organisatoren ließen in diesem Jahr die Heißluftballone von einem „geheimen Startplatz“ in die Luft steigen und es durften nur die Ballonteams und Passagiere sowie Journalisten diesen Ort betreten.

Durch die freundliche Einladung des Bürgermeisters Herrn Lieven Dehandschutter im Namen der Stad Sint-Niklaas, habe ich auch die Gelegenheit bekommen, dieses Ballonfestival hautnah zu erleben und mir selbst ein Bild von diesem berühmten Volksfest machen können.

Als ich am vergangenen Samstag den Startplatz betrat, wurde ich mit einer angenehmen Überraschung konfrontiert. Nachdem der Pilot des mir zugewiesenen Ballons, Jan Thijs, bei der Begrüßung von meinem Auftrag für deutschsprachige Medien erfuhr, lächelte er freundlich und sagte: „Sprechen Sie ruhig Deutsch“.  

Das haben wir auch getan. Das Ballonteam, das eigentlich aus einer Familie besteht, spricht nämlich untereinander auch Deutsch. Denn die Familie, die sich vor Jahren in Belgien niedergelassen hat, hat deutsche Wurzeln.

Sobald ich die Regeln, die beim Start, Flug und der Landung zu beachten sind, begriffen hatte und die Flagge am Rande des Startplatzes auf „grün“ gesetzt wurde, hob Herr Thijs ab. Während unser Ballon vom sanften Septemberwind eingefangen wurde und wir die optimale Höhe erreicht hatten, gab mir Herr Thijs gerne einige Informationen.

Jan Thijs ist ein erfahrener und leidenschaftlicher Ballonfahrer. Er ist seit 31 Jahren auf dem Parkett und die Sache macht ihm immer noch viel Spaß. Geboren in Sint-Niklaas, fühlte er sich schon als Kind vom Ballonfahren angezogen.

Als erstes möchte ich von ihm wissen, warum sein Ballon, im Gegensatz zu den vielen anderen, keine Werbelogos darauf hat oder den Namen eines Sponsors trägt. „Ich mache nicht kommerziell, nur für Spaß“ sagt Herr Thijs und fügt hinzu: „Kommerziell ist viel voll zu tun“.

Auch ein Sponsoring kommt für ihn nicht in Frage, obwohl die Umstände dafür günstig wären. „Gesetzlich schwer ist es nicht. Da musst Du aber wieder andere Sachen beachten, wenn Du für die Sponsoren fährst. Ich fahre nur, wenn ich Bock darauf habe“, so Thijs. Er freut sich auch darüber, im Rahmen der Friedensfeste der Stadt Sint-Niklaas, bei dieser Angelegenheit mitzumachen. „Es ist schön dabei zu sein“ sagt er und empfiehlt jungen Menschen auch Ballon zu fahren. Denn für Herr Thijs ist Ballonfahren eine Art von Hafen Ruhe und Freiheit. „Ich komme immer zur Ruhe“ sagt er sichtlich gelassen und erklärt weiter: „Wenn ich oben bin, kann ich zur Ruhe kommen und mal den Stress vom Tag abfallen lassen“.

Nach einem herrlichen Flug über die Dörfer und Felder des Waasland landen wir auf einer Wiese unweit eines anderen Ballons. Jan Thijs teilt die Koordinaten des Landungsplatzes an sein Team mit und hält den Ballon unter seiner Kontrolle bis die Teammitglieder für die Demontage eintreffen.

Und ich verstehe endlich, warum die Ballone als Sinnbild für die Friedensfeste der Stadt Sint-Niklaas gelten und was für eine Mühe und Leidenschaft hinter dieser schönen Tradition stehen.

Fotos: Ünal Bilir / Ballonfestival im Rahmen der Vredefeesten der Stadt Sint-Niklaas in Belgien.

ANZEIGE

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Bild des Monats

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Don't Miss

Lass dir dein Leben nicht vom Bildschirm stehlen!

35 Jahre Erasmus

EZB erhöht Leitzins und rechnet mit Stagnation

Energiepartner Deutschland und Kanada

EU-Hilfe für die türkisch-zyprische Gemeinschaft

G7 verschärft Sanktionen gegen Russland und stützt weiter die Ukraine

Ukraine und Moldau werden EU-Beitrittskandidaten

Ross Beiaard und Karl der Große

EU-Bürger gestalten Europas Zukunft

Enge Partnerschaft zwischen EU und Indien

Hallerbos: Das blaue Naturschauspiel

Keukenhof, der schönste Frühlingspark der Welt

EU hilft Ukraine und erhöht Druck auf Russland

Neuer Aktionsplan der EU gegen Krebs

Es wurde wieder Licht

Proteste in 9 europäischen Städten gegen Menschenrechtsverletzungen in der Türkei

EU stellt humanitäre Hilfe in Höhe von 3 Mio. EUR für Haiti bereit

Visaliberalisierung für die westlichen Balkanländer

EU will CO2-Sünder stärker zur Kasse bitten

EU will Verbraucherrechte stärken

Weitere Annährung zwischen der Türkei und EU

EU-Bürgerinitiative gegen fossile Brennstoffe

Ein Obernarr gestaltet Integration

Muslime in Deutschland 2020

Psychische Gewalt an Kindern

Stellungnahme gegen Antisemitismus

EU-„COVID-19-Zertifikat“ kommt vor Sommer

Konflikte im postsowjetischen Raum und der Karabach-Konflikt.

EU schützt Halloumi/Hellim-Käse aus Zypern

EU modernisiert Zollunion mit der Türkei

Annährung zwischen der Türkei und EU

Grünes Zertifikat für Reisen in der EU

Nachwuchsübersetzer/innen der EU ausgezeichnet

Humanitäre Hilfe der EU für die Rohingya-Flüchtlinge

Die traurige Geschichte des Islamismus

EU legt Zukunftsstrategie vor

CDU hofft auf die Stimmen der Migranten durch Laschet

EU-Staaten missachten Vorschriften der Telekommunikation

„Grünbuch zum Thema Altern“ in Europa vorgelegt

EU verhängt Geldbußen gegen die Spieleverlage

EU registriert „Verbot biometrischer Massenüberwachung“

EU und China bauen ihre Wirtschaftsbeziehungen weiter aus

EU verlängert Hilfsprogramm für Flüchtlinge in der Türkei

EU: „Migration ist Teil der europäischen Identität“

Harter Lockdown zur Weihnachtszeit

EU plant emissionsfreien Verkehr bis 2050

Täglich 3000 Corona-Tode in der EU

Demokratische Werte für EU-Bürger von „großer Bedeutung“

EU und China wollen 200 Produkte vor Fälschungen schützen

Die EU-Kommission rügt Ungarn und Portugal

EU-Verfahren gegen Zypern und Malta

Pandemie erschwert Integrationsbemühungen

Corona-Krise: Bund und Länder einigen sich auf Maßnahmen

Die EU will eine Pandemie-Karte mit einheitlichen Farbcodes erstellen

Der jährliche Fortschrittsbericht der EU zur Türkei veröffentlicht

Keine EU-Sanktionen gegen die Türkei

Rassistischer Eklat bei der Polizei in NRW

Das neue EU-Migrations- und Asylpaket

“Opposition in Belarus” wurde für den Sacharow-Preis nominiert

Von der Leyen kritisiert die Türkei

Der Filmpreis des Europäischen Parlaments im neuen Gewand

Champions League Start

Corona-Maßnahmen an NRW-Schulen

Wir kommen nicht als Rassisten auf die Welt

Der FC Bayern München

In Bochum liefern täglich Ehrenamtler warme Mahlzeiten an Senioren

Ramadan unter Quarantäne

Richtung Bundesliga

Erster Schritt aus dem Lockdown

Corona-Krise: Bundestag bewilligt Milliardenhilfen

Wie Covid-19 auf eine gerechte Welt hoffen lässt?

Großbritannien verabschiedet sich aus der EU

Die Grotten von Han

10 Millionen Euro für bessere digitale Ausstattung an Berufskollegs

Zehntausende Katalanen versammeln sich für Einheit Spaniens

Griechenlands rigorose Flüchtlingspolitik

Das Triple für Flick und die Bayern