Rechtspopulismus und Migration

Oktober 3, 2018
von
Teamwork auf Augenhöhe (Symbolbild), Foto: Rawpixel
ANZEIGE
Rheinisches Bildungsinstitut Düsseldorf
Rheinisches Bildungsinstitut Düsseldorf
Rheinisches Bildungsinstitut Düsseldorf
Rheinisches-Bildungsinstitut-1
Rheinisches-Bildungsinstitut-2
Rheinisches-Bildungsinstitut-3

Die Rechtspopulisten sind in ganz Europa auf dem Vormarsch. Viele Experten befürchten das Auseinanderdriften der Gesellschaft. Einige geben sogar zu bedenken, dass unsere Debattenkultur sich verändert habe. Die multimediale Vermittlung von Ereignissen und die damit einhergehende Debatte um Fake-News bringt die Gefahr mit sich, dass jede soziale Gruppe ihre eigene Wahrheit zu haben scheint. Auf einer solchen Grundlage kann man kaum einen sachlichen Austausch führen. Um Lösungsansätze für dieses Problem zu finden sollte man vielleicht danach fragen, wie es dazu kommen konnte. Ich möchte versuchen, eine Erklärung zu finden:

Wenn man das Jahr 1960 als das Jahr vom Beginn der Arbeitsmigration nach Deutschland bestimmt, dann kann man getrost von ca. 70 Jahre Anwesenheit von Migranten in Deutschland ausgehen. Wenn sogar ein deutscher Fußballweltmeister mit türkischem Migrationshintergrund von Rassismus spricht, muss die Frage der Akzeptanz von erfolgreicher Integration seitens Deutscher ohne Migrationshintergrund, wie diese auch bestimmt wird oder nicht, erlaubt sein. Aktuell kursieren viele Experten, wirkliche und vermeintliche, durch Talksendungen, veröffentlichen Bücher und versuchen so Einfluss auf die Diskussion zu üben oder die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Meines Erachtens kann man alle Experten reinen Gewissens in die Tonne kloppen, die die Schuld nur der einen Seite zuschieben wollen.

Es ist unbestreitbar, dass es sogar bei der dritten und der vierten Migrantengeneration Probleme gibt. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass diese Generation Nachkommen von Arbeitsmigranten sind, die man seiner Zeit angeworben hat, um den Industriestandort Deutschland aufzubauen. Ihre Eltern und Großeltern sind nicht in dieses Land gekommen, weil sie hier Schutz suchten oder zu Profiteuren des Sozialstaates gehören wollten, wobei ich diese Motive hier nicht bewerten möchte, denn diese Motive gehören zu einer ganz anderen, grundlegenden Diskussion. Die Arbeitsmigranten kamen, um nach einer Weile wieder in ihre Heimatländer zurückzukehren. Aber die meisten blieben und holten ihre Familien nach oder bauten sich hier eine neue Existenz auf. Die in Deutschland geborenen oder aufgewachsenen Migrantenkinder haben aus der Perspektive der Mehrheitsgesellschaft eine Integrationsleistung vollbracht, die keiner ernsthaft bezweifeln kann. Dass sie immer noch in Sachen Bildung, Arbeit und Partizipation an der Gesellschaft Nachholbedarf haben ist unbestreitbar. Mehrheitlich aber fühlen sie sich Deutschland zugehörig. Allerdings stellt sich zugleich die Frage, ob die Mehrheitsgesellschaft das genauso sieht. Liest man Fachpublikation über Diskriminierungserfahrungen von Deutschen mit Migrationshintergrund und schaut sich mal die Postings unter dem Hashtag #MeTwo an, wird man feststellen, dass die Akzeptanz der Mehrheitsgesellschaft hinter den Erwartungen bleibt. Meines Erachtens ist genau an diesem Punkt anzusetzen:

Wo bleibt die Integrationsleistung der deutschen Mehrheitsgesellschaft?

Lange hat man geglaubt bzw. glaubt man immer noch: Wenn Migranten die deutsche Sprache lernen, Bildung erlangen, einen Beruf ergreifen und Arbeit finden, ergibt sich die Integration von selbst. Das Aufkommen des Rechtspopulismus ist nicht nur gegen die Flüchtlinge gerichtet, sondern gegen alles was als „nicht-deutsch“ gebrandmarkt wird ist. Also auch gegen die Migranten der dritten und vierten Generation, die eher in Deutschland heimisch sind als in den Herkunftsländern ihrer Eltern oder Großeltern. Ganz offensichtlich wird die Integrationsleistung nicht gebührend honoriert.  Und dabei spreche ich nicht von materieller Bestätigung wie Vergütung. Sondern vielmehr von dem Gefühl der Zugehörigkeit, die die Migranten von der Mehrheitsgesellschaft vermittelt wissen wollen. Es ist überaus frustrierend festzustellen, das man nicht dazugehört, obwohl du dich sehr anstrengst kein Fremder zu sein bzw. zu bleiben. Der Andere zu sein, der abnorm ist und deswegen überdies als Gefahr betrachtet wird fördert nicht gerade das Gefühl dazu zu gehören. Aus der Sicht von Millionen Deutschen mit Migrationshintergrund, zu denen ich selbst gehöre, sollte die Frage erlaubt sein; Wo bleibt die Integrationsleistung der deutschen Mehrheitsgesellschaft?

Das heißt, dass die Beschäftigung von verschiedenen Lebensentwürfen, religiös, kulturell oder gar politisch geprägt, schon im Kindergarten anfangen und durch das ganze Bildungssystem hindurch gelebt werden muss.

Zur Verdeutlichung meiner Position: Wenn die Integration eine Interaktion zweier Volksgruppen bedeutet, wo auf der einen Seite die Zugewanderten aus allen Himmelsrichtungen und auf der anderen Seite „die Deutschen“ sind: Dann sollte doch Jedem klar sein, dass sie nur gelingen kann, wenn sich beide Seiten aufeinander zubewegen. Bei meinen ehrenamtlichen Bemühungen zum Dialog zwischen Christen und Muslimen hat ein evangelischer Pfarrer etwas gesagt, was mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Er sagte sinngemäß: „Wir müssen endlich aufhören nebeneinander zu leben und sollten das Miteinander leben lernen“.

Was er gemeint hat will ich anhand der interkulturellen Pädagogik verdeutlichen: Die interkulturelle Pädagogik postuliert eine Beschäftigung mit Diversität bereits im Elementarbereich. Das heißt, dass die Beschäftigung von verschiedenen Lebensentwürfen, religiös, kulturell oder gar politisch geprägt, schon im Kindergarten anfangen und durch das ganze Bildungssystem hindurch gelebt werden muss. Allerdings braucht sie dafür Fachpersonal, das dementsprechend ausgebildet und eingesetzt wird. Hierfür ist wiederum der Wille der Politik gefragt.

We must live together as brothers or perish together as fools.

– Martin L. King –

Um den Kreis meines Gedankenganges zu schließen: Migrantische Deutsche (wenn denn diese Formulierung politisch korrekt ist) sollten sich weiterhin bemühen Teil dieser Gesellschaft zu werden oder zu bleiben; sie sollten allerdings auch emanzipiert genug sein, eine Integrationsleistung von der Mehrheitsgesellschaft einzufordern. Nach einer sehr deutschen Logik heraus: Ich habe geliefert, habe mein Soll erfüllt und jetzt bist du an der Reihe. An meine deutschen Mitbürger mit deutschen Eltern und Großeltern möchte ich ebenfalls appellieren: Fragt euch wie sehr ihr eure Nachbarn, Kollegen, Freunde im Sportverein, usw. als zu Deutschland zugehörig ansieht und fragt euch bitte gleichzeitig, ob ihr ihnen dieses Gefühl auch vermitteln könnt.

Abschließen möchte ich mit den Worten von Martin Luther King:

„We must live together as brothers or perish together as fools.“

Wir müssen lernen, als Brüder miteinander zu leben oder als Narren unterzugehen.“

ANZEIGE

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Don't Miss

Neuer Aktionsplan der EU gegen Krebs

Lass dir dein Leben nicht vom Bildschirm stehlen!

35 Jahre Erasmus

EZB erhöht Leitzins und rechnet mit Stagnation

Energiepartner Deutschland und Kanada

EU-Hilfe für die türkisch-zyprische Gemeinschaft

G7 verschärft Sanktionen gegen Russland und stützt weiter die Ukraine

Ukraine und Moldau werden EU-Beitrittskandidaten

Ross Beiaard und Karl der Große

EU-Bürger gestalten Europas Zukunft

Enge Partnerschaft zwischen EU und Indien

Hallerbos: Das blaue Naturschauspiel

Keukenhof, der schönste Frühlingspark der Welt

EU hilft Ukraine und erhöht Druck auf Russland

Es wurde wieder Licht

Proteste in 9 europäischen Städten gegen Menschenrechtsverletzungen in der Türkei

Ballonfahren im Zeichen des Friedens

EU stellt humanitäre Hilfe in Höhe von 3 Mio. EUR für Haiti bereit

Visaliberalisierung für die westlichen Balkanländer

EU will CO2-Sünder stärker zur Kasse bitten

EU will Verbraucherrechte stärken

Weitere Annährung zwischen der Türkei und EU

EU-Bürgerinitiative gegen fossile Brennstoffe

Ein Obernarr gestaltet Integration

Muslime in Deutschland 2020

Psychische Gewalt an Kindern

Stellungnahme gegen Antisemitismus

EU-„COVID-19-Zertifikat“ kommt vor Sommer

Konflikte im postsowjetischen Raum und der Karabach-Konflikt.

EU schützt Halloumi/Hellim-Käse aus Zypern

EU modernisiert Zollunion mit der Türkei

Annährung zwischen der Türkei und EU

Grünes Zertifikat für Reisen in der EU

Nachwuchsübersetzer/innen der EU ausgezeichnet

Humanitäre Hilfe der EU für die Rohingya-Flüchtlinge

Die traurige Geschichte des Islamismus

EU legt Zukunftsstrategie vor

CDU hofft auf die Stimmen der Migranten durch Laschet

EU-Staaten missachten Vorschriften der Telekommunikation

„Grünbuch zum Thema Altern“ in Europa vorgelegt

EU verhängt Geldbußen gegen die Spieleverlage

EU registriert „Verbot biometrischer Massenüberwachung“

EU und China bauen ihre Wirtschaftsbeziehungen weiter aus

EU verlängert Hilfsprogramm für Flüchtlinge in der Türkei

EU: „Migration ist Teil der europäischen Identität“

Harter Lockdown zur Weihnachtszeit

EU plant emissionsfreien Verkehr bis 2050

Täglich 3000 Corona-Tode in der EU

Demokratische Werte für EU-Bürger von „großer Bedeutung“

EU und China wollen 200 Produkte vor Fälschungen schützen

Die EU-Kommission rügt Ungarn und Portugal

EU-Verfahren gegen Zypern und Malta

Pandemie erschwert Integrationsbemühungen

Corona-Krise: Bund und Länder einigen sich auf Maßnahmen

Die EU will eine Pandemie-Karte mit einheitlichen Farbcodes erstellen

Der jährliche Fortschrittsbericht der EU zur Türkei veröffentlicht

Keine EU-Sanktionen gegen die Türkei

Rassistischer Eklat bei der Polizei in NRW

Das neue EU-Migrations- und Asylpaket

“Opposition in Belarus” wurde für den Sacharow-Preis nominiert

Von der Leyen kritisiert die Türkei

Der Filmpreis des Europäischen Parlaments im neuen Gewand

Champions League Start

Corona-Maßnahmen an NRW-Schulen

Wir kommen nicht als Rassisten auf die Welt

Der FC Bayern München

In Bochum liefern täglich Ehrenamtler warme Mahlzeiten an Senioren

Ramadan unter Quarantäne

Richtung Bundesliga

Erster Schritt aus dem Lockdown

Corona-Krise: Bundestag bewilligt Milliardenhilfen

Wie Covid-19 auf eine gerechte Welt hoffen lässt?

Großbritannien verabschiedet sich aus der EU

Die Grotten von Han

10 Millionen Euro für bessere digitale Ausstattung an Berufskollegs

Zehntausende Katalanen versammeln sich für Einheit Spaniens

Autofahrer überfahren Dönerspieß