Drohnen im Wohngebiet – Hobby oder Störenfried?

Juni 1, 2020
von
Bild von atimedia auf Pixabay
ANZEIGE
Rheinisches Bildungsinstitut Düsseldorf
Rheinisches Bildungsinstitut Düsseldorf
Rheinisches Bildungsinstitut Düsseldorf
Rheinisches-Bildungsinstitut-1
Rheinisches-Bildungsinstitut-2
Rheinisches-Bildungsinstitut-3

Das gefährliche Halbwissen zu den „unbemannten Luftfahrzeugen“

Von Frank Potthast

Sonntag 31. Mai 2020 – Höxter / Hannover (wbn). Auch zu Pfingsten sind sie wieder in der Luft. Meist als Spaß-Faktor, der nicht selten als Provokation empfunden werden kann. Die Grenzen sind fließend. Der renommierte Fachautor Frank Potthast beschäftigt sich in diesem Beitrag mit den Anwendungssituationen und den rechtlichen Voraussetzungen.

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Drohnen in Deutschland rasant angestiegen. Inzwischen liegt die Zahl bei mehr als 475.000 Drohnen in Privathaushalten und die Zahl wächst stetig. Dabei handelt es sich um handflächengroße Drohnen bis zur Größe eines handelsüblichen Klappkorbes. Den Großteil der Systeme machen die Gewichtsklassen von unter 249 Gramm bis etwa 1 Kilogramm aus, da diese im Internet und im Handel inzwischen sehr oft als „Angebot“ zur Freizeitgestaltung zu finden sind. Einhergehend mit der steigenden Zahl der Besitzer von Drohnen, steigt auch die Zahl der Beschwerden in den sozialen Medien oder beim Gespräch auf der Straße.

Es heißt oft: Das hat mir keiner gesagt…
Auch kursiert ein gefährliches Halbwissen in der Bevölkerung in verschiedenen Punkten wie zum Beispiel der Nutzung von einer Drohne mit Kamera oder ohne Kamera, fliegen im Wohngebiet oder der Handhabung.
Sicherlich beschäftigen sich viele Nutzer im Vorfeld mit den Regularien, sei es im Internet oder in Gesprächen mit Bekannten, Verwandten, Freunden oder einer Beratung im Handel. Die meiste Zeit wird aber für das Aussuchen der passenden Drohne zum finanziellen Budget aufgewendet. Und wenn die Drohne dann endlich geliefert wurde fliegt man erst einmal drauflos, um den Rest kann man sich später kümmern. Sofern niemand sich beschwert oder etwas passiert, ist alles in Ordnung. Kommt es dann doch einmal zu einem Gespräch mit dem Ordnungsamt oder der Polizei heißt es immer: „Das habe ich nicht gewusst, das hat mir keiner gesagt!“, doch: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Um einen ersten, kurzen Einblick in die Strukturen der Anwendung der sogenannten unbemannten Luftfahrtgeräte zu gewähren, muss man mit den Anwendern beginnen. Gemäß Paragraph 1 Absatz 2 Luftverkehrsgesetz (LuftVG) sind auch Flugmodelle und unbemannte Luftfahrtsysteme (Drohnen) reguläre Luftfahrzeuge. Aktuell muss man dann in drei Kategorien unterteilen: zum einen Flugmodelle, unbemannte Luftfahrtgeräte und Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Letztere sind als Beispiel die Einsatzkräfte der Feuerwehr Warburg mit ihrer Einsatzdrohne. Diese sind laut Luftverkehrs-Ordnung von bestimmten Nachweisen und Verboten befreit, was in einem gesonderten Artikel erklärt werden müsste. Betrachten wir nun die beiden Bereiche der Privatanwender. Der geringste Teil der Anwender ist eigentlich der gewerblich genutzte Bereich (§1 Abs. 2 Satz 2 LuftVG), doch die Grenze zwischen einem unbemannten Luftfahrtsystem und der Nutzung zur Sport- und Freizeitgestaltung (§1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 9 LuftVG) ist fließend. Genau diese Grenze ist vielen Anwendern nicht bekannt, die Online oder im Handel eine Drohne für die Freizeitgestaltung ohne fundierte Beratung erworben haben.

Flugmodell mit oder ohne Kamera?

Ohne Einschränkungen dürfen Sie ein Flugmodell, mit und ohne Kamera, auf dem eigenen Grundstück bis zu einer Flughöhe von 30m oder auf einem Modellfluggelände, also wenn der Betrieb auf einem Gelände stattfindet, für das eine allgemeine Erlaubnis zum Aufstieg von Flugmodellen erteilt und für das eine Aufsichtsperson bestellt wurde, fliegen. Sie müssen bis zu einem Gewicht von unter 250 Gramm keine Kennzeichnung der Drohne, also Name und Adresse des Eigentümers, anbringen. Zudem ist in den meisten Fällen kein Kenntnisnachweis oder umgangssprachlich Drohnenführerschein notwendig, da dieser erst ab einem Startgewicht von mehr als 2 kg (Stand 2017) notwendig ist. Dieser Kenntnisnachweis kann für Flugmodelle erst ab 14 Jahren und für kommerzielle Nutzung erst ab 16 Jahren erworben werden.

Eine Drohne muss versichert werden

Der häufigste Fehler ist der Irrglaube, man müsste seine Drohne nicht versichern. Seit dem 10. August 2005 ist ausnahmslos für alle Modellflugzeuge, Kopter und Drohnen, unabhängig von ihrer Abflugmasse oder Größe, eine Halterhaftpflicht-Versicherung gesetzlich vorgeschrieben. (§ 33, 37, 43.2 LuftVG). Somit auch für jede der Drohnen, die der Freizeitgestaltung dienen. Der zweite Fehler, der häufig gemacht wird ist, dass mit verlassen der eigenen Grundstücksgrenzen eine allgemeine Aufstiegserlaubnis nach §16 LuftVO benötigt wird, die bei der zuständigen Landesluftfahrtbehörde beantragt werden muss. Im §21a(2) LuftVO werden alle Betriebsverbote aufgeführt, die einen Überflug oder die Annäherung von Drohnen verbieten. Der häufigste Fehler der Nutzer von Drohnen unter 250 g ist, dass Nr. 7 das „Betriebsverbot über Wohngrundstücken“, für Sie nicht zuträfe. Das ist nur insoweit richtig, dass dieser ungenehmigte Überflug nur zulässig ist, wenn Ihre Drohne keine Kamera mitführt. Andernfalls benötigt der Steuerer eine Genehmigung der jeweiligen Grundstückseigentümer. Am 20. 5.2020 war im Bereich der „Trift“ in Boffzen eine Drohne unterwegs, die zum Beispiel gegen die Bestimmungen in §21b LuftVO verstieß, da diese ohne Genehmigung ein Wohngebiet überflog. Am 23.4.2020 kam es in einem Wohngebiet in Lauenförde ebenfalls zu einem Vorfall, bei dem sich viele Anwohner in den sozialen Medien beschwerten. Zu Recht, da das gesichtete Drohnenmodell mit einer Kamera und entsprechender Funkverbindung ausgestattet war. Je nach Ort des Vorkommnisses entstehen weitere Verstöße zum Beispiel Unterschreitung Abstand zu Bundesstraßen, Bahnanlagen oder Naturschutzgebieten. Es gibt noch diverse andere Bereiche, aber diese finden Sie im Gesetzestext sehr gut aufgeführt.

Doch was tun, wenn ich eine Drohne sehe und ich mir nicht sicher bin, ob dieser Flug korrekt ausgeführt wird? Machen Sie den Steuerer ausfindig und fragen Sie nach der Landung der Drohne, bitte nicht vorher, höflich nach dem Grund des Fluges. Jeder geschulte Fernpilot wird Ihnen unaufgefordert alle Unterlagen und Nachweise vorlegen, um Sie zu beruhigen. Sollte dieses nicht geschehen, bleiben Sie ruhig und informieren Sie die Polizei, damit diese den Fall aufnehmen und an die zuständigen Behörden weitergeben kann.

Sollten Sie Interesse am Drohnenfliegen als Hobby haben oder sogar überlegen, diese in Ihrem Betrieb einzusetzen, empfiehlt es sich die Seiten des Bundesverbandes der Copter Piloten (BVCP) oder des Deutscher Modellflieger Verband e.V. (DFMV)  zu besuchen. Dort erfahren Sie alles rund um das Thema „Drohnen“.

ANZEIGE

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Bild des Monats

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Don't Miss

Lass dir dein Leben nicht vom Bildschirm stehlen!

35 Jahre Erasmus

EZB erhöht Leitzins und rechnet mit Stagnation

Energiepartner Deutschland und Kanada

EU-Hilfe für die türkisch-zyprische Gemeinschaft

G7 verschärft Sanktionen gegen Russland und stützt weiter die Ukraine

Ukraine und Moldau werden EU-Beitrittskandidaten

Ross Beiaard und Karl der Große

EU-Bürger gestalten Europas Zukunft

Enge Partnerschaft zwischen EU und Indien

Hallerbos: Das blaue Naturschauspiel

Keukenhof, der schönste Frühlingspark der Welt

EU hilft Ukraine und erhöht Druck auf Russland

Neuer Aktionsplan der EU gegen Krebs

Es wurde wieder Licht

Proteste in 9 europäischen Städten gegen Menschenrechtsverletzungen in der Türkei

Ballonfahren im Zeichen des Friedens

EU stellt humanitäre Hilfe in Höhe von 3 Mio. EUR für Haiti bereit

Visaliberalisierung für die westlichen Balkanländer

EU will CO2-Sünder stärker zur Kasse bitten

EU will Verbraucherrechte stärken

Weitere Annährung zwischen der Türkei und EU

EU-Bürgerinitiative gegen fossile Brennstoffe

Ein Obernarr gestaltet Integration

Muslime in Deutschland 2020

Psychische Gewalt an Kindern

Stellungnahme gegen Antisemitismus

EU-„COVID-19-Zertifikat“ kommt vor Sommer

Konflikte im postsowjetischen Raum und der Karabach-Konflikt.

EU schützt Halloumi/Hellim-Käse aus Zypern

EU modernisiert Zollunion mit der Türkei

Annährung zwischen der Türkei und EU

Grünes Zertifikat für Reisen in der EU

Nachwuchsübersetzer/innen der EU ausgezeichnet

Humanitäre Hilfe der EU für die Rohingya-Flüchtlinge

Die traurige Geschichte des Islamismus

EU legt Zukunftsstrategie vor

CDU hofft auf die Stimmen der Migranten durch Laschet

EU-Staaten missachten Vorschriften der Telekommunikation

„Grünbuch zum Thema Altern“ in Europa vorgelegt

EU verhängt Geldbußen gegen die Spieleverlage

EU registriert „Verbot biometrischer Massenüberwachung“

EU und China bauen ihre Wirtschaftsbeziehungen weiter aus

EU verlängert Hilfsprogramm für Flüchtlinge in der Türkei

EU: „Migration ist Teil der europäischen Identität“

Harter Lockdown zur Weihnachtszeit

EU plant emissionsfreien Verkehr bis 2050

Täglich 3000 Corona-Tode in der EU

Demokratische Werte für EU-Bürger von „großer Bedeutung“

EU und China wollen 200 Produkte vor Fälschungen schützen

Die EU-Kommission rügt Ungarn und Portugal

EU-Verfahren gegen Zypern und Malta

Pandemie erschwert Integrationsbemühungen

Corona-Krise: Bund und Länder einigen sich auf Maßnahmen

Die EU will eine Pandemie-Karte mit einheitlichen Farbcodes erstellen

Der jährliche Fortschrittsbericht der EU zur Türkei veröffentlicht

Keine EU-Sanktionen gegen die Türkei

Rassistischer Eklat bei der Polizei in NRW

Das neue EU-Migrations- und Asylpaket

“Opposition in Belarus” wurde für den Sacharow-Preis nominiert

Von der Leyen kritisiert die Türkei

Der Filmpreis des Europäischen Parlaments im neuen Gewand

Champions League Start

Corona-Maßnahmen an NRW-Schulen

Wir kommen nicht als Rassisten auf die Welt

Der FC Bayern München

In Bochum liefern täglich Ehrenamtler warme Mahlzeiten an Senioren

Ramadan unter Quarantäne

Richtung Bundesliga

Erster Schritt aus dem Lockdown

Corona-Krise: Bundestag bewilligt Milliardenhilfen

Wie Covid-19 auf eine gerechte Welt hoffen lässt?

Großbritannien verabschiedet sich aus der EU

Die Grotten von Han

10 Millionen Euro für bessere digitale Ausstattung an Berufskollegs

Zehntausende Katalanen versammeln sich für Einheit Spaniens

Dialog schenkt Hoffnung

Die Liebe ist eine Medizin, die unheilbare Wunden heilt